Holterdiepolter – im Galopp 250 Stufen hinauf

Ohjeee… Ich fühle mich absolut nicht wohl hier oben, mein Esel stürmt bereits los, obwohl der Eseltreiber noch gar nicht auf seinem Tier sitzt… Mein Esel wird doch wohl nicht ganz allein die Stufen erklimmen?! Hilfe!

Es heißt, wer nicht auf einem Esel geritten ist, war nicht auf Santorini. Überall an der Caldera bringen die Esel abenteuerlustige Touristen von den Häfen nach oben in die Stadt. Als Fußgänger kann man oft nur noch schnell zur Seite springen oder wird angebrüllt, schnell die Straßenseite zu wechseln. Ganze Familien leben von dem Geschäft mit den Eseln. Auch zur Müllabfuhr werden sie benutzt. Ich muss sagen, ich war sehr hin- und hergerissen, ob ich den Ritt auf einem Esel gerne machen möchte oder ob ich es als Tierquälerei ansehe. Allerdings darf man auch wirklich nicht außer Acht lassen, dass sich Familien von dem Einkommen ernähren müssen. Bei mir überwiegen aber eigentlich die Gedanken an die armen Tiere, die in der brütenden Hitze auf die nächsten Touristen warten, so dass sie sich wieder die Stufen hinaufschleppen müssen.

Heute allerdings ist es so drückend heiß und ich habe etwas Kopfschmerzen, dass ich mich nicht in der Lage sehe, die unzähligen Stufen nach Oia hinaufzusteigen. Für 5 € pro Person wagen wir also den Ritt auf einem der Esel nach oben… Mir ist jetzt schon mulmig und ich bestehe darauf, einen etwas kleineren Esel zu bekommen. Stefan schwingt sich wagemutig auf einen der größeren Sorte und sitzt fest im Sattel. Das kann ich von mir nicht gerade behaupten. Meiner macht aber auch von Anfang an einen sehr störrischen Eindruck. Irgendwie habe ich das Gefühl, es handelt sich um eine Eselin. Nachgeschaut habe ich allerdings nicht.

Schon gleich zu Beginn stellt sich jedenfalls heraus, dass Stefan und ich sehr ehrgeizige Esel erwischt haben. Jeder möchte als Erstes oben ankommen. Leider macht mein Esel dabei nicht so eine gute Figur und will sich immer in dem nur zentimeterbreiten Spalt zwischen Stefans Tier und der Brüstung vorbeiquetschen. Peng! Schon wieder habe ich dabei unfreiwillig Stefans Esel in den Hintern getreten. Rechts wäre sooo viel Platz, aber das checkt mein Esel leider überhaupt nicht. Ohje, gleich falle ich bestimmt über die Brüstung, mein Fuß wird schon ziemlich eingequetscht. Meine armen Schuhe! Irgendwie habe ich mir das Ganze entspannter vorgestellt. Stefans Esel könnte aber auch wirklich mal ein bisschen Platz machen und mich vorbeilassen… Zack! Da knallt auch noch die Peitsche auf den Po von Stefans Esel. Als ob wir nicht schon schnell genug unterwegs wären… Ich warte nur darauf, dass eines der Tiere auf den unebenen Stufen stolpert und uns unter sich begräbt. Das ist echt halsbrecherisch hier und bestimmt nicht so einfach für die Esel.

Ich bin froh, dass ich mich nicht selber sehen kann. Wahrscheinlich hänge ich wie ein nasser Sack auf dem Rücken meines Esels, krampfhaft an den Sattel gekrallt, Schweißperlen auf der Stirn.

Als wir oben ankommen, bin ich schweißgebadet. Da hätte ich wirklich auch laufen können. Allerdings waren wir so natürlich eine Ecke schneller oben. Und hatten mehr Spaß – also eigentlich. Ein Abenteuer war es auf jeden Fall – wann hat man schon mal die Möglichkeit, auf einem Esel zu reiten?

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