Es ist brütend heiß. Wir drängen uns in den wenigen vorhandenen Schatten, denn wir sind zu früh dran. Viele andere warten bereits mit uns. Wir sind im Bergpark Wilhelmshöhe und warten auf die Wasserspiele.

Seit 2013 gehört der Bergpark Wilelmshöhe mit seinen Wasserspielen zum UNESCO Weltkulturerbe. Da ist man als Kasseler irgendwie schon mächtig stolz drauf. Auf kassel.de heißt es: „Die Wasserkünste des Parks seien ein außergewöhnliches und einmaliges Beispiel monumentaler Wasserbaukunst des europäischen Absolutismus. Ohne Zweifel sei die Herkulesfigur technisch und künstlerisch die anspruchsvollste Großskulptur der Frühen Neuzeit. An keinem anderen Ort der Welt sei jemals eine am Hang gelegene Parkarchitektur mit vergleichbaren Ausmaßen und einer technisch so vollkommenen Wasserarchitektur ausgestattet worden, wie in Kassel seit 1691 unter Landgraf Karl.“ Allerdings muss ich gestehen, dass ich die Wasserspiele vorher noch nie besucht habe. Allerhöchste Eisenbahn also, das nachzuholen…

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Um Punkt 14:30 Uhr ist es dann endlich soweit: Am Fuß des Herkules‘  erklingt Musik und kündigt das Wasser an. Und dann geht ein Raunen durch die Menge. Das Wasser kommt. Langsam fließt es Stufe für Stufe und Kaskade für Kaskade hinab. Jede Menge Fotos werden geschossen. Die Menschen strömen nun die Stufen hinunter. Auch wir wollen mit dem Wasser mitlaufen, also vom Herkules bis hinunter zum Teich am Schloss Wilhelmshöhe. Auf dem Weg über die Kaskaden passiert das Wasser drei große Becken und wird zu sprudelnden Fontänen. Am Fuß der Kaskaden verschwindet das Wasser dann erst mal. Hier fließt es unterirdisch weiter. Der Weg führt nun nach rechts zu den Steinhöfer Wasserfällen. Diese kann man gar nicht verfehlen, man braucht nur der Masse hinterher zu laufen. Allerdings hätten wir uns gar nicht so beeilen müssen, wir sind locker vor dem Wasser bei dem Wasserfall angekommen und können uns so gute Plätze zum Gucken sichern. Und zum Glück ist es hier schattig!

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Und dann kommt das Wasser. So richtig mystisch ist es hier irgendwie. Wenn es Feen und Kobolde gibt, leben sie bestimmt hier. So schön. Schweren Herzens machen wir Platz für die Menschen hinter uns und laufen weiter zur Teufelsbrücke. Auch hier müssen wir kurz warten, mitten in der sengenden Hitze. Der Schweiß läuft uns schon in Strömen am Körper hinunter… Dann kommt das Wasser. Und mit ihm eine richtig angenehme kühle Brise. Herrlich. So können wir ganz entspannt zugucken, wie das Wasser unter der Teufelsbrücke hindurch in den 10 Meter tiefer gelegenen Teich fließt. Dann geht es auch schon wieder weiter.

Der nächste Stopp ist dann am Aquädukt, hier stürzt das Wasser ungehindert 30 Meter rauschend in die Tiefe. Beeindruckend. Bis heute ist das Aquädukt der höchste künstlich angelegte Wasserfall in einer Gartenanlage.
Nun sind wir schon am Ende der Wasserspiele angekommen, am Teich beim Schloss Wilhelmshöhe. Schnell sichern wir uns einen Platz direkt am Teich mit Blick auf den Herkules. Und dann kommt sie: die Fontäne. Geysirartig schießt sie über 50 Meter in die Höhe. Wow!

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Gelohnt hat sich der Besuch der Wasserspiele auf jeden Fall. Es ist wirklich beeindruckend und faszinierend, was damals vor 300 Jahren bautechnisch schon alles möglich war. Da kann man wirklich nur stolz sein auf seine Stadt!

Wann und wo?

Die Wasserspiele finden vom 1. Mai bis zum 3. Oktober jeden Mittwoch und Sonntag sowie an jedem Feiertag um 14:30 Uhr im Bergpark Wilhelmshöhe statt. Parkplätze gibt es sowohl oben am Herkules als auch unten am Schloss Wilhelmshöhe (5 € pro Tag). Auch mit Bus und Straßenbahn sind die Wasserspiele erreichbar. Von der Endhaltestelle der Linie 1 erreicht man fußläufig das Schloss. Um zum Herkules zu gelangen, nimmt man am besten die Linie 3 bis zur Endstation Druseltal und von dort den Bus 22 oder 23. Um die Wasserspiele vom Startpunkt am Herkules bis hinunter zum Schlossteich mit zu verfolgen, sollte man etwa 1,5 Stunden Zeit einplanen.

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Laura Behne

Nach ihrem erfolgreichen Abschluss des Studiengangs Tourismus- und Eventmanagement in Düsseldorf, hat sie dem Tourismus beruflich den Rücken gekehrt. Privat liebt sie es dennoch über alles, auf Reisen zu sein und dabei immer ein gutes Buch in der Tasche zu haben.