Baaam – Jetzt komme ich. Der Pro auf der Piste

Nur noch ein paar Meter dann habe ich es geschafft. Die Ziellinie muss gleich vor mir auftauchen. Noch sieben, acht Tore passieren und ich bin da. Vielleicht bin ich ganz vorne mit dabei. Weltmeister in der Königsdisziplin des alpinen Skisports – das wär schon was. Und das auf der Kandahar-Abfahrt in Garmisch. Ein Mythos, eine der anspruchsvollsten Strecken im Alpinen Skiweltcup.

Zack, fast hat es mich rausgehauen. Ich hänge mich enorm rein, um in der idealen Linie zu bleiben. Ich lasse die lang gezogene Linkskurve liegen. Es folgen der Kramersprung, die Durchquerung der flachen Passage des Padöls und nun der Freie Fall. Ich fliege 60m weit – mindestens. Mein Körper schüttet das Adrenalin aus. Die Strecke selbst sehe ich inzwischen nur noch verschwommen, doch jeden Streckenabschnitt kenne ich aus dem Effeff. Jetzt noch das letzte Stück der Abfahrt durch den Seilbahnhang. Ein kurzer Sprung und…

Der Wecker reißt mich aus dem tiefen Schlaf. Nur ein Traum. Ich blicke auf mein Handy. 06:30. Heute machen Laura, ihre Eltern, der kleine Eros und ich uns auf den Weg nach Grainau. Skifahren. Ich bin bisher nur einmal in meinem Leben Skigefahren und auch nur in der Skihalle Neuss. Nervös bin ich nicht, so schwer kann es ja nicht sein. Doch angespannt bin ich schon. Ich freue mich auf ein paar Tage Urlaub. Ich hoffe natürlich, dass das Wetter mitspielt. Wenn mir Skifahren nicht gefällt und ich total versage, kann ich dann immer noch die Skier beiseitelegen und mich mit ‘nen Bierchen in den Liegestuhl fletzen. So die Vorstellung zumindest.  Aber wird schon. Ich bin ja nicht unsportlich oder so.

Von der Fahrt nach Grainau bekomme ich kaum etwas mit. Ich schlafe fast durchgehend, was macht man auch sonst die ganze Zeit im Auto?“ Ich sehe was, was du nicht siehst“ spielen? Oder „Autos zählen“! Nein, das war mal. Ich schlafe also. Die Zeit von Kassel nach Grainau vergeht auch wie im Flug. Einquartiert haben wir uns übrigens in einer kleinen Holzhütte direkt am Ortseingang von Grainau. Gefunden und gebucht hat Laura die Hütte über das Unterkunftsportal Airbnb. Super Entscheidung, denn die Hütte ist echt süß und reicht für uns allemal. Die Vermieter sind Amerikaner und äußerst nett.

Am Ankunftstag in Grainau fahren wir erst einmal direkt zum Eibsee. Von hier aus fahren die Seilbahn, sowie die Zahnradbahn bis zum Gipfel bzw. zum Skigebiet der Zugspitze. Wir besorgen uns den Skipass für drei Tage. Wir haben uns im Vorfeld für die Top Snow Card entschieden. Mit dieser haben wir Zugang zu 89 Liften in Garmisch-Partenkirchen (Zugspitze und Garmisch-Classic), Grainau, Mittenwald, Ehrwald, Lermoos, Biberwier, Bichlbach, Berwang und Heiterwang. Das nenn ich Alternativen und mit 113,50 € hält sich der Preis auch in Grenzen.

Da es sich gegen 15 Uhr natürlich nicht mehr lohnt hoch zu fahren, laufen wir ein kleines Stück um den Eibsee. Am nächsten Morgen soll es aber losgehen. Rauf auf die Zugspitze und rein ins Abenteuer.

Der Weg zum Skigebiet – Das Equipment macht mir Sorgen

Von unserer Hütte aus sind es mit dem Auto nur 10 Minuten bis zur Eibsee-Seilbahn. Ein kostenfreier Parkplatz steht auch zur Verfügung. Platz für unser Auto ist um 10 Uhr auch noch. Klar, unter der Woche ist auf der Zugspitze nicht so viel los, wie am Wochenende oder in der Skisaison Ende Dezember / Anfang Januar. Auf jeden Fall ziehen wir uns unsere Skischuhe am Parkplatz an und machen uns samt Skiern und Skistöcken auf den Weg zur Seilbahn. Mein Skiequipment habe ich mir von Lauras Papa ausgeliehen. Das Problem: Irgendwie sind die Schuhe viel zu eng. Sie drücken einfach fürchterlich. Bei meinen dicken Waden ist das auch kein Wunder. Ich hab aber auch den Fehler gemacht, mir zwei Paar Socken überzustülpen. Anfängerfehler.

Ich stehe also dicht gedrängt in der Gondel und fange schon an zu Schwitzen. Der Schmerz ist kaum auszuhalten. Mit der Gondel sind wir in 10 Minuten am Gipfel. Viel zu lange. Ich muss hier raus und mich den Skischuhen entledigen. Endlich am Gipfel angekommen, renne ich direkt auf die erste Bank zu und ziehe ein Paar Socken aus. Dann lockere ich die Schnallen und fühle mich ein wenig befreiter. Schmerzen habe ich aber immer noch. Toll – super Start in den Skiurlaub. Naja, wird schon werden, denke ich mir. Vom Zugspitzgipfel müssen wir mit einer weiteren Seilbahn zum Gletscher runter fahren. Also muss man hier mindestens weitere 10 Minuten einplanen, damit man den ersten Schnee unter den Füßen spürt.

Das Abenteuer beginnt – Die ersten Skiversuche auf der Zugspitze

Als wir endlich am Zugspitzplatt ankommen, ist kaum was los hier oben. Wir sind wohl mit die ersten heute. Von der Gondel aus laufen wir in Richtung Skigebiet. Auf der rechten Seite, unterhalb eines kleinen Hügels, befinden sich die beiden Schneefernerkopflifte: Zwei Ankerlifte, die auf eine blaue Piste hochführen. Perfekt für mich, als lupenreiner Anfänger. Aber erst einmal muss ich heile den kleinen – aber für den Anfang recht steilen Hügel -hinuntergelangen, ohne mich auf den Popo zu setzen. Dies gelingt mir auch mit großer Mühe. Lauras Papa ist übrigens Skilehrer und gibt mir Anweisungen. Laura selbst und ihre Mama drehen alleine ihre Runden. Beide können natürlich schon Skifahren und düsen wahrscheinlich gerade irgendwo die roten Pisten runter. Der kleine Eros muss leider zu Hause bleiben 😥

Am Lift angekommen, erklärt mir mein heutiger Skilehrer, wie ich mich in die Spur stelle, mir den Anker schnappe und ihn mir hinten an den Popo klemme. Der Lift zieht mich dann einfach, in gemächlichem Tempo, nach oben. Für den Anfang fahren wir nicht ganz nach oben, sondern steigen schon nach wenigen Metern aus. Hier ist der Hang noch nicht sonderlich steil und ich kann in Ruhe reinkommen, um ein Feeling für die Bretter zu bekommen. Das ganze klappt auch ganz gut, so dass wir nach wenigen Metern auf direktem Weg zurück zum Lift fahren. Das zweite Mal fahren wir ein wenig weiter nach oben. Da hier der Hang auch noch nicht so steil ist, komme ich nur wenige Meter weit und muss mich dann kräftig mit den Stöcken nach vorne schieben. Das ganze macht so natürlich auch keinen großen Spaß und von da an wagen wir uns nach ganz oben 🙂

„Von unten sah der Berg aber noch viel kleiner aus“, denke ich mir. Und wie die anderen hier runter brettern.. Schon krass. Ich fahre jedenfalls langsam mit dem Lift nach oben und suche mir schon die nicht so steilen Stellen im Schnee aus. Oben angekommen fahren wir direkt mal los. Natürlich bin ich schön langsam unterwegs. Fahre immer schön V-förmig, also im Pflug, und drehe langsam meine Kurven. Hier nutze ich geschickt die komplette Breite des Hangs aus, um nicht zu schnell an Geschwindigkeit zuzulegen. Falls ich es doch einmal nicht zügig schaffe eine elegante Kurve hinzulegen und zu gerade den Hügel hinunterschieße, fahre ich semiprofessionell noch einmal den Hang hoch und komme erst einmal zum stehen.  Zu meiner Statistik: Beim Abfahren der kompletten blauen Piste stürze ich in der Regel immer zweimal. Einfach weil ich den falschen Ski belaste, es nicht mehr rechtzeitig schaffe rumzukommen und zu viel Speed drauf habe, oder ich einfach den Bergski anhebe, damit ich ihn mir parallel neben den anderen legen kann. Das macht er natürlich automatisch, wenn man den Dreh aber noch nicht raus hat, ist das gar nicht so einfach.

Nach ein paar Runden auf der blauen Piste, schleppt mich Familie Behne entgegen jedem Protest auf ‘ne rote Piste… ich überlebe, stürze aber seltener und werde langsam sicherer. Zum Abschluss muss ich sagen, dass mir das Skifahren doch sehr viel Spaß gemacht hat. Wenn man selbst mitbekommt, wie man in kürzester Zeit so große Fortschritte macht, und das Vertrauen in seinen Fähigkeiten zunimmt, ist das schon ganz großes Kino. Natürlich spielte auch das geniale Wetter und die phänomenale Aussicht auf der Zugspitze eine große Rolle bei. Wenn das Wetter und das Skigebiet nicht so großartig gewesen wären, sähe das ganze vielleicht ganz anders aus. Nichtsdestotrotz möchten Laura und ich das Skifahren weiter forcieren. Nächstes Jahr im Januar spätestens stehen wir also wieder auf der Piste 🙂

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