Plädoyer für Roadtrips oder die Frage: Italien mit dem Auto – ja oder nein?

Ich liebe Autofahren. Seit ich meinen Führerschein habe, sind für mich öffentliche Verkehrsmittel ein Graus. All die hustenden, schniefenden und oftmals nicht gut riechenden anderen Fahrgäste lassen für mich eine Fahrt mit Straßenbahn oder Zug zum Alptraum werden. Vor allem, seit ich stolze Minifahrerin bin, kann ich mir ein Leben ohne Auto nicht mehr vorstellen.

Um Urlaub zu machen, gibt es für mich eigentlich nur zwei Arten, um ans Ziel zu kommen: das Flugzeug oder das Auto. Schon als Kind habe ich mit meinen Eltern ausschließlich Urlaub mit dem Auto gemacht. Vielleicht hat mich das so geprägt, wer weiß. Klar erreicht man nur mit dem Flugzeug weit entfernte und exotische Ziele, aber auch Europa hat einfach so wahnsinnig viele tolle Ecken und Orte zu bieten, dass ich kein Flugzeug benötige, um mein Fernweh zu befriedigen.

Zudem liebe ich einfach Roadtrips. Jeden oder jeden zweiten Tag an einem neuen Ort zu sein – was gibt es besseres? Man ist so herrlich flexibel und sieht so viel mehr, als wenn man mit dem Flieger in ein Hotel fliegt und im, für mich, schlimmsten Fall noch All inclusive gebucht hat. Wenn man mit dem Auto unterwegs ist, kann man einfach so viel mehr von einem Land sehen. Natürlich spielt auch meine derzeitige Abneigung gegen das Fliegen eine Rolle. Nach all den Unfällen Im Luftverkehr in den letzten Jahren bin ich momentan nicht so wild darauf, in ein Flugzeug zu steigen. Aber wer weiß, was dieses Jahr noch so bringt, meine Bucketlist ist jedenfalls auch voll von Zielen, die mit dem Auto dann leider doch nicht oder nur sehr schwer zu erreichen sind. Auf jeden Fall waren wir so deutlich günstiger unterwegs, als wenn wir Flug und Mietwagen gebucht hätten. Und es ist doch ein tolles Gefühl, wenn man mit seinem eigenen Auto so tolle Orte bereist. Natürlich sollte einem aber klar sein, dass ein Roadtrip auch anstrengend ist und vielleicht nicht unbedingt so viel Erholung bietet, wie ein „normaler“ Urlaub.

Jedenfalls war für mich sofort klar, dass wir unseren Italientrip mit dem Auto machen. Insbesondere die Amalfiküste hat den Ausschlag für die Entscheidung für Italien als Ziel unserer Osternreise gegeben. Da diese aber 1.617 km weit von unserem Wohnort entfernt liegt, haben wir einfach ein paar Übernachtungsstationen unterwegs eingebaut. Unser erster Stopp war am Gardasee, 848 km von zu Hause entfernt. Das ist eine Strecke, die man noch gut an einem Tag fahren kann. Der zweite Übernachtungsstopp war Florenz, bevor wir dann für einige Nächte an der Amalfiküste weilten.

Bei all der riesigen Vorfreude hatte ich aber auch ein paar klitzekleine Sorgen hinsichtlich des Autofahrens in Italien. Die Italiener sind ja nun mal dafür bekannt, sich auf der Straße wie Rowdys zu verhalten und sich an keinerlei Verkehrsregeln zu halten. Da ich aber vor einigen Jahren mit meiner Mama in Kalabrien war und wir dort mit unserem Mietwagen keinerlei Probleme im Straßenverkehr hatten, konnte ich meine Sorgen so weit ignorieren.

Blick vom Auto auf den Gardasee

Am Gardasee fühlten wir uns mit unserem Auto rundum wohl. Die Anfahrt über den Brenner verlief problemlos und der hoteleigene Parkplatz sorgte für bequemes und sicheres Parken. Für einen Urlaub am Gardasee sollte man auf jeden Fall ein Auto nutzen, denn damit lässt sich alles wesentlich einfacher erkunden. Busse haben wir in den Tagen dort keine gesehen, was nicht heißen soll, dass es nicht doch welche gibt. Eine Straße führt einmal rund um den See und in allen Orten, die wir besucht haben, haben wir problemlos einen Parkplatz gefunden. Die drängelnden und viel zu schnell fahrenden Italiener stören eigentlich auch nicht, sie überholen einfach bei halbwegs passender Gelegenheit.

Autobahnfahren in Italien ist auch kein Problem. Alles ist ziemlich gut ausgeschildert, verfahren kann man sich also nicht. Allerdings sind die Autobahnen mautpflichtig und vor allem die linke Spur ist recht eng. Für unseren Urlaub haben wir insgesamt ca. 160 € Maut bezahlt.

Was sich allerdings als Problem entpuppte, war der innerstädtische Verkehr. Wir sind ziemlich blauäugig nach Bologna hineingefahren (hierzu wird es noch einen extra Bericht geben), was uns jede Menge Schweiß und Nerven gekostet hat. Auch in Florenz hatten wir einige Probleme. Unsere Unterkunft lag zwar super zentral mitten in der Innenstadt, aber wer einmal in Italien war kennt sicherlich die absolut engen Sträßchen und die weit und breit nicht vorhandenen Parkplätze. Zusätzlich wird dem Autofahrer noch das Leben durch links und rechts vorbeibrausende Rollerfahrer erschwert. Mal ganz davon abgesehen, dass auch unser Navi nicht so ganz sicher war, wo denn nun unsere Unterkunft liegt. Auch dem Zeichen Parkgarage ist nicht unbedingt zu vertrauen, was ihr aber noch in unserem Bericht über Bologna lesen werdet.

Unsere Rettung in Florenz war schließlich eine bewachte Garage, wo wir unser Auto sicher abstellen konnten. Das war uns dann auch 25 € pro Nacht wert.

An der Amalfiküste schließlich wurde das Autofahren nicht einfacher. Enge und winzige Straßen, in denen es schnell ein riesiges Problem wird, wenn ein LKW oder Bus entgegen kommt (was wirklich auch oft passiert). Zusätzlich keinerlei Parkmöglichkeiten bzw. die wenigen Parkplätze, die es gibt, sind alle belegt. Selbst am Vesuv waren die Parkplätze heillos überfüllt und es herrschte ein einziges Verkehrschaos.

BMW Mini am Gardasee

Trotz dieser Schwierigkeiten hat bei uns doch alles ziemlich gut geklappt. Es hat uns zwar jede Menge Nerven und Schweiß gekostet, aber dafür hatten wir auch ein richtiges Abenteuer und haben einfach jede Menge gesehen. Das war einfach ein unbezahlbares Erlebnis.

Unser Fazit:

Wenn du in den italienischen Norden willst, ist das Autofahren überhaupt kein Problem und absolut zu empfehlen. Weiter in den Süden würden wir persönlich nicht mehr unbedingt mit dem Auto fahren, da es doch enorm anstrengend war. Für alle Abenteuerlustigen mit starken Nerven ist aber auch der Süden mit dem Auto machbar 🙂 Generell solltest du bereit sein, über ein oder zwei kleine Kratzer an deinem Auto hinweg zu sehen, da die Italiener einen sehr kamikazeartigen Fahrstil haben und Kratzer und Blechschäden für sie einfach dazu gehören. Auf jeden Fall aber ist Autofahren in Italien ein echtes Abenteuer und Erlebnis. Meine Lust auf Roadtrips ist dadurch nur noch mehr gewachsen 🙂

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