Ode an die Ahle Wurscht

Ich bin bekennende Nordhessin und Lokalpatriotin. Für meine Heimat, einem kleinen und ziemlich unbekannten Ort am Rande Kassels, schlägt mein Herz. Auch wenn es natürlich schon sehr provinziell dort ist. Neben ganz viel Grün und Ruhe bietet Nordhessen aber auch etwas für echte Feinschmecker: unsere Ahle Wurscht (gerne auch Ahle Wurschd, Ahle Worscht etc.).

Hierbei handelt es sich um eine rein nordhessische Spezialität. Genauer gesagt um luftgetrocknete Rohwurst, ausschließlich aus Schweinefleisch. Es gibt sie in runder Form oder in gerader Form, auch Stracke genannt. Am besten schmeckt sie pur in dicken Scheiben zu trockenem Brot. Unsere italienischen Freunde allerdings haben sie kurzerhand auf die Pizza gepackt. Sicherlich auch eine kulinarische Erfahrung 😉

Aber ach, was verbinde ich nicht alles damit! Bei keinem Ausflug, keiner Wanderung und keinem Urlaub durfte die Ahle Wurscht in meiner Kindheit fehlen. Sie war immer dabei, Papas Taschenmesser hat sie in schöne Stücke zerteilt und aus der Haut befreit. Auch unsere Freunde und Bekannten hatten damals immer eine Ahle Wurscht im Gepäck. Ohne Ahle Wurscht war der Ausflug/Urlaub nicht vollständig. Auch heute noch darf die Ahle Wurscht nicht fehlen. Allein der einzigartige Geschmack, der schon beim ersten Bissen „Heimat!“ schreit, ganz egal, wo man sich auf der Welt befindet. Sie begleitet mich immer bei Urlauben, eignet sich hervorragend als Geschenk für Nicht-Nordhessen und wird generell erst mal allen, die sie noch nicht kennen, zum Probieren „aufgezwungen“. So kommt es, dass die Ahle Wurscht auch außerhalb Nordhessens ihren Ruf hat. Natürlich einen guten 🙂

Der Ahlen Wurscht sind ganze Bücher, Facebook-Gruppen und Vereine gewidmet. Bereits seit dem 16. Jahrhundert ist die Herstellung von Rohwürsten in Nordhessen dokumentiert. Etwas, das so lecker ist und das es bereits seit so langer Zeit gibt, dem sollte man auch Tribut zollen. Ich bin natürlich auch ein Facebook-Fan der Ahlen Wurscht.

Abschließend noch ein kleines Gedicht über die gute Ahle Wuscht in nordhessischer Mundart (mal sehen, ob ihr es versteht ;-)) von Karl Sömmer:

„Ach freid mich, Henner, daß ich Dich finne
„Ach Schorsche, so eilig, wo widde dann hinne?“
„Ich wollde jedzd grade noh Landwehrhagen,
denn ganz verdraulich dahd mäh einer sagen,
do giwweds en guden Drobben vom Durschd,
un au richdiche, ahle Burenwurschd.“
Do geh ich glichch midde,“ schbrochch eifrig der Henner,
„so ahle Wurschd, das äß was vor Kenner“.
So gingen se los, un noh en baar Schdunnen
Do honnse dann endlich das Wirdshuß gefunnen.
Se dranken un aßen un merkeden bahle,
die Wurschd, das war noch so richdiche „Ahle“,
do kamme gedrosd durch ganz Deidschland laufen,
die Wurschd giwweds nirgend’s wo anners ze kaufen.
„Hä Wird! Wennse wollden so freindlich sinn,
dann wickeln Se mäh so ne ahle Wurschd in.
„Nä,“ schbroch do der Wird, „do honse kinn Glicke,
ich honn nämlich sälwer blob noch so en Schdigge,
dä könnd se in Kassel au billicher kaufen
un bruched nidd bis Landwehrhagen ze laufen,
ich krichche se“ – schbroch häh geheimnisvoll dann –
,,Uß der Königschdroße vom Ackermann“.

1 Kommentar

  1. Veröffentlich von Bernd Socher am Donnerstag, 30. Januar 2014 um 17:07

    Wer die Ahle Worscht mal schnell braucht… und mehr wissen über diese austterbende Spezies braucht, ist hier genau richtig:

    http://www.ahle-wurscht-shop.de
    Und hier noch ein Bild wo die Wurscht überall rumkommet:
    Die Stracke im Valsesia im Nordpiemont, mit einem Traumhaften Weinbegleiter!
    http://www.ahle-wurscht-shop.de/bilder/worschtundwein.jpg

    Bernd

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