Unterwegs in der Eifel – Im Reich der Burgen und Maare

Kein Bus weit und breit. Das darf doch wohl nicht wahr sein. Wir stehen am „Abzweig Schalkenmehren“ an der Bushaltestelle. Irgendwo mitten in der Eifel. Wir wollen heute die 11. Etappe des Eifelsteiges beginnen, Start soll in Manderscheid sein. So wie es jedoch aussieht, kommen wir niemals dort an.

In Schalkenmehren selber fährt zurzeit kein Bus, Grund dafür ist eine nervige Baustelle, die uns bereits auf dem Weg mit dem Auto nach Schalkenmehren Zeit kostete. Daher stehen wir nach einem Fußmarsch nun hier an der Hauptstraße und können die Abfahrtszeiten des Busses nicht fassen. Zwischen 10 Uhr und 15 Uhr kommt kein Busmehr. Wo sind wir denn hier? Und was machen die ganzen Senioren, die auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen sind? Leider bleibt uns nichts anderes übrig, als ein Taxi zu rufen. Immerhin haben wir vor, zu Fuß 17 km nach Schalkenmehren zurückzulaufen.

Das Taxi kommt, nach gefühlten Stunden. Endlich. Und nach weiteren 24 € sind wir dann endlich am Start unserer Etappe angekommen, in Manderscheid. Unterwegs können wir bereits einen Blick auf die Burgen werfen, unglaublich schön. Hierher kommen wir noch einmal zurück, jetzt wollen wir aber erst mal los.

Der Weg beginnt ganz urig und führt durch den Wald. Hier sieht es wirklich ein bisschen nach Urwald aus, alles noch ursprünglich, der Weg nur ein kleiner Pfad. Kein Wunder, dass der Eifelsteig zu den Top Trails Deutschlands gehört.  Und wir sind ganz allein hier. Wie herrlich! Der Weg bietet immer wieder Ausblick auf den tiefgrünen Wald. Dann jedoch lichtet sich dieser plötzlich und wir queren eine Wiese. Auf einer Bank gönnen wir uns ein kleines Frühstück, es gibt gekochte Eier und Knoppers. Ist Eierschale verwertbar? Nach kurzer Überlegung und den Gedanken an Eierschalen auf dem Kompost, verstecken wir sie im hohen Gras. Jetzt schnell weg, nicht dass das jemand gesehen hat!

Nun wechselt der Pfad zwischen breiteren Wegen, auf denen man gemütlich nebeneinander hergehen kann und schmaleren Pfaden, die wieder durch den Wald führen. Wir sind umgeben von Ruhe. Ganz selten kreuzen andere Wanderer unseren Weg. Wir grüßen alle und werden ebenso von allen zurück gegrüßt. Das ist eine wahrhaftig schöne Sache am Wandern: man fühlt direkt die Verbundenheit zu anderen Wanderern. Man hat etwas gemeinsam. Die Leidenschaft an der Natur, an der Ruhe, an der Bewegung. Das hat mich bereits in Mittenwald fasziniert. In der Stadt ist das anders. Dort grüßt man keine fremden Menschen auf der Straße. Dort ist alles unpersönlicher. Jeder macht sein eigenes Ding und möchte dabei nicht gestört werden.

Zurück zum Eifelsteig. Wir haben ein gutes Tempo drauf. Der Weg führt meistens flach ansteigend bergauf. Wir machen unterwegs immer wieder Pausen, um schöne Fotos zu schießen oder um die Strecke einfach noch ein bisschen länger zu genießen. Viel zu schnell ist die Tour nämlich vorbei. Bereits am frühen Nachmittag haben wir die 17 km hinter uns gebracht. Wir stehen auf einer Anhöhe und blicken auf Schalkenmehren und das Schalkenmehrener Maar hinab. Was für ein Anblick! Man sieht jedoch schon den Herbst in großen Schritten näherkommen. Unten im Ort werden wir für eine Nacht zelten, direkt am Maar. Ich habe noch nie gezeltet, das wird ein richtiges Abenteuer für mich. Aber zuerst einmal genießen wir im Hotel Schneider selbstgemachte Apfelschorle, leckere Nudeln und Eis. Dann beginnen wir mit dem Zeltaufbau.

Von der Schwierigkeit des Zeltaufbaus und meiner ersten Nacht im Zelt

Meine erste Nacht im Zelt, die nicht im Garten der Eltern stattfindet. Wir sind auf dem Campingplatz des Hotels Schneider direkt am Schalkenmehrener Maar. Auf jeden Fall ein schöner Platz. Generell bin ich ein wenig skeptisch… Ob ich werde schlafen können? Was ist mit den ganzen Spinnen? Und was ist, wenn nachts ein Fremder in unser Zelt kommt? Ohje, ich darf gar nicht daran denken… Augen zu und ab ins Abenteuer!

Jetzt müssen wir nur noch das Zelt aufbauen. „Nur noch“ – oh ja. Zuerst einmal das Zelt auspacken – sehr gut, der erste Schritt wäre geschafft. Erst stehen wir etwas ratlos vor der Plane. Die Anleitung besagt, wir sollen die Stangen durch die farbig markierten Löcher/Schlaufen stecken. Puh, was für ein Gefriemel. Das dauert ja ewig. Das kann doch so nicht richtig sein! Aber wir friemeln fleißig weiter. Nach einer gefühlten Ewigkeit haben wir dann alle drei Stangen „eingebaut“. Juhu! Wir stellen das Zelt auf. Hmm, sieht irgendwie komisch aus. Das kann doch WIRKLICH nicht richtig sein! Die Zeltplane ist auf links gedreht und die Stangen biegen sich irgendwie oben drüber. Da kommt auch von Stefan die Erkenntnis: das ist falsch so. Super. Alles noch mal neu.

Also friemeln wir aufs Neue an den Zeltstangen rum und versuchen sie aus den Löchern zu befreien. So schwierig es war, sie reinzustecken, genauso schwierig ist es jetzt, sie wieder rauszuholen. Aber endlich geschafft. Schnell die Plane richtig rum gelegt und siehe da: die „Tunnel“ für die Stangen sind eindeutig zu erkennen. Und die Stangen passen MÜHELOS da durch. So einfach kann es also sein. Relativ schnell sind wir damit fertig und das Zelt steht. Sehr gut!  Aber es gibt ja gar keinen Zeltboden! Da kommen die Spinnen nachts ja direkt an mich dran! Ohje!

Aber zum Glück zu früh gefürchtet, Stefan kommt mit dem Innenzelt auf mich zu. Das muss jetzt noch innen befestigt werden. Auch gar nicht so einfach. Man schließt sich dabei selbst irgendwie so in dem Zwischenraum von Plane und Innenzelt ein, dass man nicht mehr rauskommt. Aber schließlich ist auch das geschafft. Wir atmen durch. Das Zelt steht, es sieht hervorragend aus und wir können es nun mit unseren Sachen beziehen. Also direkt die Luftmatratzen aufgepustet. Warum haben wir keine Luftpumpe dabei?! Endlich ist genug Luft drin (später und in der Nacht wird diese dank Loch aber wieder verschwinden…). Wir räumen unsere Schlafsäcke und andere Utensilien ins Zelt. Jetzt erst mal was essen.

Die Schlafenszeit ist da. Ich als alte Frostbeule habe mich ganz dick angezogen. Wollsocken, lange Hose, Kapuzenpulli… So kann man sich sogar ganz angenehm in den Schlafsack kuscheln. Zum Glück habe ich mein eigenes Kissen von zu Hause dabei. Aber was ist das? Man hört ja jedes Wort der Nachbarn so laut, als ständen sie direkt neben dem eigenen Kopf. Na super. So kann ich nicht schlafen. Männer sind da nicht so kompliziert, Stefan träumt bereits. Na toll. Aber irgendwann bin auch ich im Land der Träume…

…aber mitten in der Nacht wache ich auf. Ich friere. Der Boden ist kalt und hart. Trotz Luftmatratze (ohne Luft) und zwei Wolldecken. Irgendwie tut alles weh. Außerdem muss ich mal. Das Klo ist aber so weit weg. Und es ist dunkel. Da gehe ich eh nicht alleine. Also schmeiße ich mich so lange hin und her, bis Stefan auch wach ist. Zusammen tapern wir über den dunklen Zeltplatz. Danach darf ich dann in seinen Schlafsack und er geht auf meine harte Luftmatratze. Wenn ich ihn nicht hätte! Prompt schlafe ich auch viel besser und werde bis zum Morgen nicht mehr wach.

Mein Fazit:

Das Zelten war nicht so schlimm wie befürchtet. Ich habe keine einzige Spinne gesehen – zum Glück. Es ist gewöhnungsbedürftig, aber im Sommer kann ich es mir durchaus noch mal vorstellen. Es war auf jeden Fall eine tolle Erfahrung. 🙂

Unterwegs nach Daun

Der zweite Tag in der Eifel bricht an. Alles ist nass und klamm, aber wir haben die Nacht im Zelt gut überstanden. Jetzt lockt uns der zweite Teil der geplanten Etappe, so dass wir in Windeseile das Zelt abbauen (zumindest geht es wirklich schneller als der Aufbau, aber wen wundert’s). Wir besorgen uns leckere belegte Brötchen beim Bäcker in Schalkenmehren und machen uns auf den Weg.

Ein kleines Stück laufen wir am Schalkenmehrener Maar entlang, bevor es direkt steil bergan geht und ich gut ins Schwitzen komme. Zum Glück ist es nur ein relativ kurzes Wegstück, und oben angekommen entlohnt uns der Blick auf das Schalkenmehrener Maar. Jetzt erst mal frühstücken! Und mit so einem Blick schmeckt es doch gleich noch viel besser.

Nach der Frühstückspause überqueren wir die Bundesstraße und können direkt auf das nächste Maar herabblicken. Das Weinfelder Maar liegt direkt unter uns. Dieses Mal komplett wild und ohne Ortschaft. Fast schon mystisch ist die Stimmung, denn dunkle Wolken verhängen den Himmel. Unser Weg schlängelt sich am Ufer des Maares entlang, bevor er uns wieder bergan führt.

Hier begegnen uns schon wesentlich mehr Wanderer als am gestrigen Tag. Schließlich treten wir hinaus auf eine Ebene, von der aus man einen tollen Blick in die Ferne hat. Hier befindet sich der Alfred-Dronke Turm, den wir natürlich auch erklimmen. Von oben haben wir wundervolle Sicht auf das Gemündener Maar und auf Daun in der Ferne. Dort liegt unser Etappenziel. Plötzlich springt ein Reh aus dem Wald und hüpft etwas unbeholfen herum, fast, als hätte es sich selber darüber erschreckt, nicht mehr im sicheren Wald zu sein. Dann ist es auch schon wieder verschwunden. Was für ein herrliches Stück Natur, in dem wir hier unterwegs sind!

Von nun an führt uns unser Weg bergab. Auf einem breiten Weg durch den Wald werden wir etwas unsicher, ob wir immer noch auf dem Eifelsteig unterwegs sind. Schließlich kommen wir aber in Daun an, unser Etappenziel ist erreicht! Nun liegt die elfte Etappe des Eifelsteiges hinter uns!

Daun selber ist ein kleines Städtchen. Wir suchen uns zuerst ein gemütliches Restaurant und genehmigen uns zum Mittagessen leckeres Chilli con Carne. Für den Rückweg nach Schalkenmehren wollen wir uns ein Taxi gönnen. Allerdings entpuppt sich dies als Ding der Unmöglichkeit. In ganz Daun ist kein einziges Taxi zu finden. Auch kein Taxistand. Bzw. der eine ist leer. Super.

Wir fragen uns zum Bahnhof durch, in der Hoffnung, dort einen Taxistand zu finden. Am Bahnhof angekommen, sieht es hier irgendwie komisch aus. Kein Taxi weit und breit, keine Betriebsamkeit, wie man sie sonst von Bahnhöfen kennt. Also bleibt uns nichts anderes übrig, als uns an den Straßenrand zu setzen und uns dann doch selber ein Taxi zu rufen. Es dauert und dauert und dauert, aber nach gefühlten Stunden ist es endlich da. Der Taxifahrer klärt uns auf: der Bahnhof ist geschlossen, stillgelegt. Das hätte man uns ja auch mal früher mitteilen können!

Jedenfalls kommen wir nach kurzer Zeit gut wieder an unserem Auto an. Nun führt uns der Weg noch einmal nach Manderscheid, wir wollen uns die Manderscheider Burgen anschauen. Wir zahlen 2 € pro Person Eintritt und können dann in Ruhe die Burg erkunden. Schon ziemlich beeindruckend. Kann man sich kaum vorstellen, dass hier wirklich einmal Menschen gelebt haben. Wie das Leben damals wohl für sie war?

Als wir uns zum Gehen aufmachen, fängt es an zu regnen. Perfektes Timing. Wir halten noch einmal kurz an einem Parkplatz, von dem man einen grandiosen Blick auf die Burgen hat, bevor wir noch einmal in ein Café einkehren. Wir gönnen uns süße gefüllte Pfannkuchen mit Vanillesauce. Schließlich müssen wir aber doch den Heimweg antreten. Die zwei Tage kommen mir wirklich wie richtiger Urlaub vor. Entspannt, Neues gesehen und erlebt, herrlich! So etwas sollte man viel öfter machen…

 

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