Das Hohe Venn – Heide, Moor, Schlamm und grüne Rechtecke

Schlamm. Morast. Bei jedem Schritt werden unsere Schuhe noch ein bisschen dreckiger. Wir sind unterwegs im Hohen Venn in Ostbelgien. Eine wunderschöne und wildromantische Landschaft, voller Heide und Moor. Ich bin wirklich begeistert. Hier ist es wirklich einzigartig.

Am Morgen sind wir in Düsseldorf mit dem Auto gestartet, nach 1,5 Stunden Fahrt haben wir unser Ziel, die Baraque Michel in Jalhay, erreicht. Von hier startet unsere ca. 12 km lange Wanderung. Diese Gegend hier wird auch „Das Dach Belgiens“ genannt. Hier befindet sich mit dem Hohen Venn, also dem Hochmoor, der höchste Punkt des Landes.

Mit dem Wetter haben wir Glück, zumindest von oben ist es trocken. Das kann man von unserem Weg nachher nicht behaupten… Anfangs führt er uns über Holzstege durchs Moor. Wirklich grandios. So könnte es wegen mir den ganzen Weg über bleiben. Doch leider ist es nur ein relativ kurzes Stück, bevor wir dem grünen Rechteck, mit dem unser Weg markiert ist, in den Wald folgen. Hier erwartet uns das erste Mal Schlamm und Morast. Wir hüpfen um die Pfützen herum und müssen dabei aufpassen, nicht auszurutschen. Dann überqueren wir einen kleinen Bach, sehr romantisch! Wir sind so gut wie alleine hier unterwegs. Der Weg wird nun wieder breiter, rechts und links befindet sich urtümlicher Wald. Schließlich wird es wieder zu einem Trampelpfad. Teilweise muss man schon sehr genau hinsehen, um den Weg als solchen zu erkennen. So eine ursprüngliche Natur hier! Doch dann, platsch! Mein Schuh versinkt fast bis zum Knöchel im Schlamm und ich kann nur noch mit einem Sprung nach vorne verhindern, dass mir das Wasser oben in den Schuh schwappt. So ein Mist! Meine schönen Schuhe! Die Versuche, sie im hohen Gras zu säubern, sind leider nicht so erfolgreich…

Wir kommen nun an ein Bachbett, den schönsten und romantischsten Punkt unserer Wanderung. Zeitgleich kommt auch die Sonne etwas durch die Wolken, so dass die Blätter bunt leuchten und der ganze Ort etwas Verwunschenes an sich hat. Es sieht so aus, als wären wir die ersten Menschen, die diese Stelle je entdeckt hätten (was natürlich Unsinn ist). Nach einer kurzen Fotopause kämpfen wir uns weiter durchs Gestrüpp. Der Weg schlängelt sich unter Birken und Erlen hindurch, rechts und links befindet sich Heide und wilde Vegetation. Der Schlamm ist nun überall. Stefans Hose ist bis fast zu den Knien hoch dreckig. Von unseren Schuhen will ich nun gar nicht mehr reden…

Als wir wieder auf ein befestigteres Stück Weg kommen, gönnen wir uns erst mal unsere mitgebrachten belegten Brötchen. Herrlich! Doch die Euphorie schwindet schnell. Wir stehen an einer Weggabelung. Nach rechts: grünes Rechteck. Nach links: ebenfalls grünes Rechteck. Super, wirklich. Wie soll man denn da den richtigen Weg finden?! Wir entscheiden uns nach langen Minuten des Überlegens für rechts. Was uns allerdings nach ein paar Hundertmetern komisch vorkommt, so dass wir wieder umdrehen. Wir nehmen nun doch den Weg nach links. Nach dem 100. Blick auf unsere kleine schlechte Karte, reden wir uns nun ein, dass das auch richtig war. Wirklich wissen tun wir es nicht.

Wir folgen dem grünen Rechteck und befinden uns bald im Wald. Hier ist keine Menschenseele außer uns beiden. Nur ein Warnschild vor Jägern begegnet uns. Dass man in der Nähe von Wanderwegen überhaupt jagen darf… unglaublich. Wir versuchen mit Hüpfen möglichst trockenen Fußes vorwärts zu kommen. Gar nicht so einfach…

Schließlich – ein Dejà vu: wir stehen an einer Kreuzung, unser grünes Rechteck weist in alle vier Richtungen. Das soll wohl ein Witz sein! Nur ist es mal so gar nicht witzig, hier, mitten in der Pampa, ohne richtige Karte oder GPS-System. Wie gut, dass Stefan Karte lesen kann und wir uns daher für links entscheiden. Als rechts das Setay Venn auftaucht, wissen wir, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Trotzdem, ein GPS-System muss definitiv unsere nächste Anschaffung sein. Sich im Wald oder der Pampa zu verlaufen, ist keine verlockende Vorstellung für mich. Dafür bin ich dann doch nicht abenteuerlustig genug 😉

Der Weg führt uns nun ganz gemütlich und bequem wieder zurück zur Baraque Michel. Dort warten erst einmal heißer Tee und grandiose, fast schon zu knusprige, belgische Pommes auf uns. Was für ein toller Ausklang einer absolut grandiosen Tour!

Hohes Venn – gerne immer wieder!

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